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Heutzutage weiß doch jeder was vegan ist! Könnte man denken. Allerdings treffe ich immer wieder auf Aussagen wie „Aber Fisch darfst du?“, „Da ist nur ein bisschen Käse drin.“ oder „Gummibärchen heißen nur Bärchen, da ist kein Tier drin.“.

Vegan = frei von Tierprodukten

Die kürzeste Erklärung lautet: vegan ist das Gleiche wie „frei von Tierprodukten“. Manche sagen dazu „rein pflanzlich“ oder „pflanzenbasiert/plantbased“. Wobei das streng genommen nicht korrekt ist, da ja Salz auch nicht pflanzlich ist. Es bedeutet also vielmehr, dass es keine tierischen Bestandteile enthält. Oder auch: Verzicht auf alle Nahrungsmittel und Konsumgüter tierischen Ursprungs. Also weder tote Tiere, Bestandteile von Tieren oder Produkte von Tieren.

Bei Wikipedia erfährst du einiges über die Geschichte, Beweggründe und gesundheitliche Aspekte des Veganismus. Dort findest du auch die rechtsverbindliche Definition der Verbraucherschutzministerkonferenz aus dem Jahr 2016: „Vegan“ sind danach Lebensmittel, „die keine Erzeugnisse tierischen Ursprungs sind und bei denen auf allen Produktions- und Verarbeitungsstufen keine Zutaten (einschließlich Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen und Enzyme) oder Verarbeitungshilfsstoffe oder Nicht-Lebensmittelzusatzstoffe, die auf dieselbe Weise und zu demselben Zweck wie Verarbeitungshilfsstoffe verwendet werden, die tierischen Ursprungs sind, in verarbeiteter oder unverarbeiteter Form zugesetzt oder verwendet worden sind.“[183][184]

Der Unterschied zwischen vegan und vegetarisch

Früher wurde unter Vegetarismus oft das verstanden, was heute mit Veganismus bezeichnet wird. Vegetarier meiden Nahrungsmittel, die von getöteten Tieren stammen und aus Tieren hergestellte Produkte. Das bedeutet, dass sie kein Fleisch, keine Wurst, keinen Fisch und keinen Kaviar essen. Im Gegensatz zu Veganern essen viele Vegetarier allerdings Produkte, die von lebenden Tieren stammen. Dazu gehören Eier, Milch, Käse und Honig.

Es gibt mehrere Unterformen des Vegetarismus, wie die Ovo-Vegetarier (essen rein pflanzlich plus Eier), die Lakto-Vegetarier (ernähren sich pflanzlich plus Milch und Milchprodukte) und die Ovo-Lakto-Vegetarier (rein pflanzliche Ernährung plus Eier und Milch). Wenn heutzutage von Vegetariern gesprochen wird, meinen die meisten Ovo-Lakto-Vegetarier. Eine weitere „Ausnahme“ sind die Pescetarier. Streng genommen sind sie keine Vegetarier, da sie nur Fleisch weglassen, aber Fisch und Meeresfrüchte essen.

Vegane Ernährung vs. veganer Lebensstil

Vegan ist nicht gleich vegan. Zumindest die Auslegung beziehungsweise die Ausweitung auf unterschiedliche Lebensbereiche. Es gibt Veganer, die sich „nur“ rein pflanzlich ernähren, aber in anderen Bereichen tierische Produkte verwenden. Also etwa einen Porsche mit Ledersitzen kaufen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Attila Hildmann. Häufig handelt es sich hierbei um Veganer mit einem rein gesundheitlichen Beweggrund. Andere Veganer versuchen in möglichst allen Bereichen Tierleid zu vermeiden (z.B. Tierversuche), kaufen nur vegane Bücher und Bekleidung und lehnen auch Haustierhaltung ab. Dazwischen gibt es viele verschiedene, individuelle vegane Lebensweisen.

Als ich 2012 vegan wurde wollte ich zuerst auch so viel und so schnell wie möglich umstellen. Dann stellte ich fest, dass das gar nicht so einfach ist. Zudem finde ich es sinnvoll, Dinge weiter zu nutzen, die man sowieso schon hat. Also trage ich weiterhin meine Lederstiefel, Gürtel und Wollpullis und verwende die Daunendecken meiner Eltern. Apropos Wollpulli: es ist oft schwierig, plastikfreie Alternativen zu unveganen Produkten zu finden. Mein Kompromiss ist hier, dass ich versuche secondhand zu kaufen. Oder gegebenenfalls bei Wollsachen darauf zu achten, dass die Wolle von nicht gequälten Schafen kommt (teuer!). Wenn ich wirklich, wirklich etwas brauche, was möglicherweise nicht vegan ist!

Ist das vegan? Woran du das erkennen kannst.

In immer mehr Supermärkten sind Produkte direkt auf der Verpackung und manchmal auch an der Regalbeschriftung mit „vegan“ gekennzeichnet. Das macht das Einkaufen viel einfacher und schneller, da das mühselige Lesen der kleingedruckten Inhaltsangaben entfällt. Wenn du allerdings jemanden beauftragst, dir etwas mitzubringen, kann es helfen, diese Person auf die Ähnlichkeit der Zeichen „vegetarisch“ und „vegan“ hinzuweisen. Mein Mann hat nämlich schon mal was Vegetarisches eingekauft, weil da doch dieses gelbe Zeichen mit dem V drauf war. Sollte etwas nicht mit diesem Label versehen sein, so kannst du gegebenenfalls über die Inhaltsstoffe erkennen, ob etwas vegan ist oder nicht. Allergene, wie Eier oder Milch und deren Bestandteile, sind meist fett aufgedruckt. Weitere häufig verwendete tierische Bestandteile sind zum Beispiel Gelatine, Honig, Karmin (E120) und Bienenwachs.

V-Label

Die Zeichen unterscheiden sich nur durch den Zusatz vegan oder vegetarisch.

Achtung: versteckte Inhaltsstoffe

Es gibt da noch ein Hintertürchen, das zu beachten ist. Nicht alles ist über die reinen Inhaltsstoffe erkennbar. Tierische Stoffe, die in der Herstellung eingesetzt wurden, müssen nicht genannt werden. Beispiel gefällig? Klarer Apfelsaft wird gerne mit Gelatine oder Fischblase von den Trübstoffen befreit. Eine Auflistung mit sage und schreibe 780 versteckten tierischen Inhaltsstoffen findest du hier. Um solche versteckten Inhaltsstoffe zu vermeiden ist es daher am sichersten, als vegan gekennzeichnete Produkte zu kaufen.

Zusätzlich habe ich nachfolgend in einigen Punkte zusammengestellt, was nicht vegan ist. Oder wobei in der Herstellung oft tierische Hilfsmittel eingesetzt werden:

  • Meeresfrüchte. Heißt zwar Früchte, sind aber Meereslebewesen.
  • Wein und Obstsäfte werden oft mit Gelatine oder Fischblase geklärt.
  • Manche Chips enthalten Milchzucker. Teilweise die mit Paprika- und nicht nur die mit Sour Cream-Geschmack.
  • Zur Herstellung von Brot und Backwaren verwenden vorwiegend industriell arbeitende Großbäckereien die Aminosäure L-Cystein (E 920). Das macht das Mehl leichter knetbar und der Teig wird fluffiger und klebt nicht an den Maschinen. L-Cystein wird in der Regel aus Schweineborsten oder Federn hergestellt.
  • Manche Bäckereien verwenden Schweineschmalz als Backfett, was normalerweise nicht deklariert wird.
  • Seide ist eine tierische Faser, für deren Gewinnung viele Seidenraupen getötet werden. Die Faser befindet sich in den Kokons, welche mitsamt den lebenden Puppen in kochendes Wasser geworfen oder heißem Wasserdampf ausgesetzt werden. Beim Schlüpfen würden die Seidenspinner nämlich den endlosen Seidenfaden durchbeißen und somit die Qualität der Seide verschlechtern (Quelle: Peta). Es gibt inzwischen auch sogenannte gewaltfreie Seide (oder Ahimsaseide), bei der aus leeren Kokons Seidenfäden gesponnen werden. Allerdings wird so nur ein kleiner Bruchteil der weltweit verwendeten Seide hergestellt. Stoffe aus Ahimsaseide und einen kurzen Film darüber gibt es beispielsweise hier.
  • In manchen Zahnpasten finden sich tierische Fette (Glycerin) und Knochenmehl als schleifende Substanz.
  • Gallseife heißt so, weil sie Rindergalle enthält.
  • Tierische Bestandteile werden oft als Trägerstoffe für Aromen oder Vitamine eingesetzt. Zum Beispiel Gelatine bei Multivitaminsäften.

 

Wenn du jetzt noch etwas über ein paar gängige Vorurteile gegen die vegane Ernährung lesen möchtest, so gibt es dazu einen guten Artikel bei Peta. Weitere gute Informationen findest du bei der Albert-Schweitzer-Stiftung über die negativen Folgen der Nutzung von Tieren und Tierprodukten als Nahrungsmittel.