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Es gibt verschiedene Möglichkeiten, womit du deine Wäsche waschen kannst. Waschmittel in Pulver- oder flüssiger Form ist hierbei am bekanntesten. Am einfachsten ist es, Waschmittel fertig zu kaufen. Eine weitere Möglichkeit ist, Waschmittel selber herzustellen. Heute möchte ich ein DIY-Waschmittel beschreiben. Den Haupt-Bestandteil dafür findest du im Herbst oft ganz einfach auf der Straße und in Parks. Auch in der Stadt liegen sie unter Bäumen: Rosskastanien.

Rosskastanien enthalten Saponine. Das sind waschaktive Substanzen. Also chemische Verbindungen, die in Wasser gelöst seifenartige Eigenschaften zeigen. Daher kannst du aus diesen Kastanien ein tolles, komplett biologisch abbaubares Waschmittel herstellen! Das ist zudem noch kostenlos, wenn du es ohne optionale Zutaten verwendest.

Kastanien und Kastanienlaub

Rosskastanien und Kastanienlaub in der Stadt auf der Straße

Vorteile von Kastanienwaschmittel

Kastanien sind ein nachwachsender, regionaler Rohstoff, der außer fürs Basteln mit Kindern und als Wildfutter sonst nicht genutzt wird. Wenn ihr Kastanien auf der Straße sammelt nehmt ihr aber keinem Tier Futter weg, weil es dort eh nicht vorbei kommen würde 🙂 . Waschmittel aus Kastanien schont die Umwelt, weil es ohne Verpackung ist. Und zum anderen ist es ohne umweltbelastende Hilfsstoffe oder Tenside auf Erdöl- oder Palmölbasis (wie konventionelles Waschmittel). Zudem habe ich gelesen, dass es sehr gut für Allergiker (auf Reinigungs- und Waschmittel) geeignet ist, die mit selbst gemachtem Kastanienwaschmittel am besten klar kommen.

Das Kastanienwaschmittel eignet sich für leicht und durchschnittlich verschmutzte Wäsche. Stark verschmutzte Sachen sollten vorbehandelt werden.

Vorbereitung

Kastanien sammeln, dann gegebenenfalls waschen und abtrocknen. Danach geht’s ans zerkleinern. Wenn du sie frisch verwenden möchtest, dann schau gleich weiter zu „Waschen mit frischen Kastanien“. Wenn du sie trocknen und später nutzen möchtest, dann gehe zu „Waschen mit getrockneten Kastanien“. Die Variante mit frischen Kastanien braucht länger zum ziehen lassen als die Variante mit dem getrockneten Granulat. Zudem lösen sich beim Granulat die Saponine besser und schneller aus den Kastanienstückchen (=mehr Waschkraft).

Grundsätzlich gilt: Die Kastanien möglichst bald verwenden bzw. verarbeiten. Wenn sie zu lange liegen fangen sie bei Feuchtigkeit an zu schimmeln oder werden steinhart durch das Austrocknen. Alte, knallharte Kastanien kannst du zwar auch noch verwenden, brauchst dann allerdings einen Gartenhäcksler zum zerkleinern 😂

Kastanien auf Teller

Ein paar Tage alte Rosskastanien. Diese lassen sich noch gut verarbeiten.

Optionale Zutaten und ihre Wirkung

Die Basisversion besteht einfach nur aus Kastanien und Wasser. Es gibt aber noch ein paar umweltfreundliche optionale Zutaten, die ich dir hier kurz erkläre:

  • Waschsoda: wirkt als Wasserenthärter und verbessert die Reinigungswirkung. Nicht verwenden bei tierischen Fasern wie Wolle und Seide, da es die Fasern aufquellen lässt. Wirkt ab 50 Grad desinfizierend.
  • Bleichmittel (auch bekannt als Sauerstoffbleiche): Entfärber für weiße Textilien und gegen Grauschleier. Hat desinfizierende Wirkung und kann auch zur Fleckenentfernung verwendet werden. Zerfällt beim Waschen zu Soda, Sauerstoff und Wasser. Menge nach Dosierungsanleitung des Bleichmittels. Ich nehme 2 EL.
  • Ätherisches Öl: wenn du etwas Duft in der Wäsche möchtest, so kannst du ein paar Tropfen ätherisches Öl mit dem Kastaniensud ins Waschmittelfach geben. Ich verwende dafür gerne Lavendel, 5 Tropfen sind die für mich passende Menge.
Kastanienpulver, Soda, äther. Öl und Glasbehälter

Du brauchst ein Glas zum Ansetzen, Kastanien und evtl. Soda und ätherisches Öl.

Waschen mit frischen Kastanien

Nimm dafür 4-8 möglichst frische Kastanien. Schneide sie mit einem scharfen Messer in Viertel oder besser in noch kleinere Stücke. Oder wickle sie in ein Geschirrtuch und zertrümmere sie mit einem Hammer (das funktioniert gut, wenn die Kastanien schon etwas trocken sind und du z.B. gerade Frust abbauen möchtest 😆). Für helle Wäsche und Weißwäsche die braune Schale entfernen. Das minimiert das Risiko für Grauschleier. Du kannst die Kastanien auch in einem Hochleistungsmixer schreddern (so lösen sich die Saponine besser).

Lege die Kastanienstücke in ein dickwandiges Glas und übergieße sie mit ca. 200-300 ml heißem (nicht kochendem) Wasser. Das ganze ca. 8 Stunden oder über Nacht ziehen lassen. Je kleiner die Kastanienstücke sind, desto kürzer ist die Ziehzeit.

Dann die Flüssigkeit zum Waschen abseihen oder direkt durch ein Sieb ins Waschmittelfach gießen. Bei Bedarf kannst du 1-2 TL Waschsoda, etwas Bleichmittel (bei Weißwäsche) oder ätherisches Öl dazu geben (siehe „Optionale Zutaten“). Wie gewohnt waschen.

Waschen mit getrockneten Kastanien – Waschgranulat fürs ganze Jahr

Um das ganze Jahr mit Kastanien waschen zu können, lohnt es, sich einen Vorrat an Kastaniengranulat anzulegen. Ein großer Vorteil des getrockneten Kastanienpulvers ist auch, dass sich die Saponine schneller herauslösen. Dafür kannst du richtig viele Kastanien sammeln, so dass du reichlich Material für deine Pulverproduktion hast.

Zerkleinern

Kastanien mit einem guten Messer in viele, sehr kleine Stück schneiden oder in ein Geschirrtuch gewickelt mit einem Hammer zerkleinern oder im Hochleistungsmixer schreddern. Für helle Wäsche und Weißwäsche die braune Schale entfernen. Das minimiert das Risiko für Grauschleier. Bitte bei der Mixer-Version immer nur eine kleine Menge häckseln und das nur mit einem guten Mixer oder Küchenmaschine machen. Normale Mixer können dabei kaputt gehen.

Trocknen lassen

Nach dem Zerkleinern die Kastanien ausbreiten, zum Beispiel auf Backblechen. Mehrere Stunden lang in der Sonne oder bei schlechtem Wetter neben der Heizung sehr gut trocknen lassen. Du kannst sie auch im Backofen bei 50-80 Grad Umluft trocknen, das verbraucht dann aber Energie (außer du nutzt die Restwärme nach dem Backen). Auch bei Zimmertemperatur trocknen die Kastanien, brauchen dafür aber länger und müssen gut belüftet sein, weil sie sonst schimmeln können.

Aufbewahren des Kastanienpulvers

Die Kastanien müssen wirklich komplett getrocknet sein, bevor du sie einlagerst. Sonst kann sich Schimmel bilden. Das furztrockene Kastaniengranulat bewahrst du am besten in luftdichten Gefäßen auf. Das verhindert Mottenbefall. Ich verwende dafür Schraubgläser und so Weckgläser mit Gummiring oben drin.

Kastanienpulver im Glas

Getrocknetes Kastaniengranulat im Glas

Waschmittelsud herstellen

2-4 EL von dem Granulat in ein geeignetes Glas geben und mit 300 ml heißem (nicht kochendem) Wasser übergießen und umrühren. Kochendes Wasser dickt den Sud zu sehr ein und dann wäscht es nicht so gut. Ungefähr 30 Minuten ziehen lassen, zwischendurch nochmal umrühren. Wenn die Kastanienstücke größer sind brauchen sie länger zum ziehen.

Für eine bessere Waschleistung kannst du 1-2 EL Soda dazu geben (Waschsoda hilft auch gegen Gerüche). Bei Weißwäsche kann zusätzlich noch 1-2 EL Sauerstoffbleiche hinzugegeben werden, bzw. nach Dosierungsanleitung des Bleichmittels.

Optional: 5 Tropfen Lavendelöl für etwas Duft.

Kurzanleitung

  1. Ausreichend Kastanien sammeln
  2. Kastanien zerkleinern
  3. Zerkleinerte Kastanien in ein Gefäß geben
  4. Heißes Wasser dazu geben und umrühren (=einen Sud herstellen, ca. 3dl pro Waschgang)
  5. Ziehen lassen
  6. Sud durch ein Sieb abgießen
  7. Optionale Zutaten hinzugeben
  8. Wäsche wie gewohnt waschen

Anmerkungen

Der Kastaniensud ist nicht lange haltbar, daher immer nur die benötigte Menge davon herstellen.

Die Menge der zu sammelnden Kastanien richtet sich danach, wie oft du generell wäscht und wie häufig du dafür Kastanienwaschmittel verwenden möchtest. Wenn man mit ca. 65 g Kastanien und 1-2 Wäschen pro Woche rechnet, so kommt man auf 4-7 kg Kastanien für einen Jahresvorrat.

Als ich zum ersten Mal mit Kastanien gewaschen habe war ich irritiert vom fehlenden Geruch. Die damit gewaschene Wäsche riecht nämlich nicht. Nach gar nichts. Kein Frischegeruch, wie ich ihn vorher kannte und der von zugesetzten Duftstoffen kommt. Inzwischen ist das für mich ein Vorteil, weil ich stark duftende Wäsche gar nicht mehr mag. Und mit ein paar Tropfen ätherischem Öl bekommt die Wäsche einen angenehmen dezenten Duft.

Ich verwende nicht ausschließlich Kastanien zum Waschen, sondern recht häufig Öko-Waschpulver. Weil mir im Alltag oft die Zeit fehlt zum Sud ansetzen und ich manchmal auch nicht dran denke. Da ist Pulver ins Fach schütten einfach schneller. Weil waschen mit Kastanien ungewöhnlich und geruchlos ist, haben viele Leute in meinem Umfeld das Vorurteil, dass die Wäsche damit nicht richtig sauber wird. Tatsächlich gehen mit konventionellem Waschmittel stärkere Flecken besser raus. Das liegt an den Zusatzstoffen und an den stärkeren Waschsubstanzen, die da drin sind. Kastanienwaschmittel schont die Umwelt und auch für die Fasern deiner Wäsche. Erst kürzlich gingen mit normalem Waschpulver normale Flecken nicht raus aus meiner Wäsche. Vermutlich hätte das Vorbehandeln der verschmutzten Stellen geholfen. Dafür eignet sich zum Beispiel Kernseife sehr gut.

Ich habe mal gelesen, dass man auch direkt mit dem Pulver waschen kann. Also ohne vorher einen Sud daraus herzustellen. Selber ausprobiert habe ich das allerdings bisher noch nicht. Dafür muss das Pulver in einem verschließbaren, kleinen, engmaschigen Netz oder in einer verknoteten Socke in die Waschtrommel gegeben werden. Die Waschleistung soll dabei allerdings nicht so gut sein wie mit dem Sud.

Die Kastanienstücke und das Pulver können nach dem Abgießen noch ein- bis zweimal wiederverwendet werden. Das sollte am besten gleich im Anschluss an die laufende Wäsche erfolgen, damit die nassen Kastanien nicht gären oder schimmeln. Also gleich nochmal mit Wasser aufgießen und ziehen lassen. Der zweite und dritte Aufguss sind etwas weniger waschkräftig und benötigen mehr Ziehzeit.

Die Kastanienreste können übrigens kompostiert oder im Biomüll entsorgt werden.

Mein Fazit: mit Kastanien lässt sich super waschen. Ich nutze es gerne im Wechsel mit und als Ergänzung zu gekauftem Öko-Waschmittel.